Nativ extra: Was auf dem Olivenöl-Etikett wirklich steht
Güteklassen, Standards und der Streit um die Echtheit, verständlich erklärt.
Kaum ein Lebensmittel wird so oft diskutiert wie Olivenöl. „Nativ extra“, „kalt gepresst“, „aus Italien“, die Etiketten versprechen viel. Aber was steckt dahinter?
Die Güteklassen
Natives Olivenöl extra ist die höchste Klasse. Es wird ausschließlich mechanisch gewonnen, ohne Hitze und ohne Lösungsmittel, hat einen Säuregehalt von unter 0,8 Prozent und muss sensorisch fehlerfrei sein. Natives Olivenöl liegt eine Stufe darunter. Raffiniertes Olivenöl wird aus geschmacklich fehlerhaftem Öl chemisch und thermisch aufbereitet und ist weitgehend neutral. Was schlicht „Olivenöl“ heißt, ist meist ein Verschnitt aus raffiniertem und nativem Öl.
Der Streit um die Echtheit
Eine viel zitierte Untersuchung der UC Davis aus den Jahren 2010 und 2011 sorgte für Schlagzeilen: 69 Prozent der importierten, als „extra vergine“ verkauften Öle erfüllten die sensorischen Standards nicht. Die Studie war allerdings von kalifornischen Produzenten mitfinanziert und wird methodisch kritisiert, weil sie auf einem subjektiven Geschmackstest beruhte.
Eine unabhängige Untersuchung der US-Behörde FDA kam 2015 zu einem anderen Bild: Echte Panscherei, also das Mischen mit billigen Fremdölen, war mit unter fünf Prozent selten. Die Wahrheit liegt dazwischen. Grobe Fälschung ist seltener als oft behauptet, Falschkennzeichnung bei Klasse, Herkunft oder Erntejahr kommt aber vor, vor allem im billigen Segment.
So kaufst du gut ein
Achte auf eine dunkle Flasche, ein Ernte- oder Mindesthaltbarkeitsdatum und geschützte Herkunftsangaben. „Nativ extra“ ist die richtige Klasse zum Verfeinern. Und lagere jedes gute Öl kühl und dunkel, denn Licht und Wärme machen es schnell ranzig.